Samstag, 31. März 2018

Big Bend


Wir sind bis jetzt über 2000 Meilen gefahren und im Big Bend National Park angekommen, ganz im Süden von Texas, am Rio Grande, der hier in einer „Großen Schleife“ eine natürliche Grenze zu Mexiko bildet und sich wie ein grünes Band durch die Wüste schlängelt.



Prähistorische Indianer haben hier vor ca. 10.000 Jahren als Jäger und Sammler gelebt; sie haben in natürlichen Höhlen und Felsvorsprüngen gewohnt und nahmen nur, was das Land ihnen bot. Später haben hier Pueblo Indianer Landwirtschaft betrieben, sie wurden aber im 16. Jahrhundert von den Spaniern versklavt. Irgendwann im 18. Jahrhundert wurden die Apachen von den Comanchen nach Süden in dieses Gebiet hier verdrängt. Später wurden dann die Comanchen auf anglo-amerikanischen Druck von Norden her in die Big-Bend-Region gedrängt. Sie bekämpften und versklavten die hier lebenden Apachen und ergänzten, was die Wüste ihnen bot, durch Überfälle auf mexikanische und später anglo-amerikanische Siedlungen und Wagenzüge. Goldfunde in Kalifornien Mitte des 19. Jahrhunderts und Militärfestungen entlang der Route nach Westen zu den Goldfeldern, beschleunigte den Niedergang der Comanchen. 


 

Vom Campground aus unternehmen wir verschiedene Ausflüge und Wanderungen, meist zieht es uns an den Rio Grande, zum einen ist Wasser einfach immer faszinierend, zum anderen ist es hier kühler und frischer, als in der staubtrockenen Wüste.





Auch zu den Hot Springs sind wir lieber gelaufen ;-)


Laut Nationalpark-Informationen gibt es hier im Big Bend Mokassinschlangen und vier Arten von Klapperschlangen, außerdem Skorpione und Taranteln. Angeblich trifft man sie aber selten bei Tage an.






Wenn wir abends zum Sonnenuntergang den Aussichtsfelsen nahe des Campgrounds erklimmen und Richtung Mexiko schauen, täuscht die Fantasie einem vor, zwischen den Felsenspalten in der Ferne  würden auf Pferden sitzende Indianer zu uns herüber schauen.


Gestern Abend erschien tatsächlich auf mexikanischer Seite ein Reiter. Zu weit weg allerdings und daher viel zu klein, um ihn fotografieren zu können.





Ebenfalls vom Felsen aus gut zu erkennen ist die kleine mexikanische Siedlung Boquillas Del Carmen auf der anderen Seite des Flusses.
 Da das riesige Gebiet des Big Bend ja völlig unbewohnt ist – außer den paar Bediensteten, des National Parks, die in der Nähe des Campgrounds in einer kleinen Wohnwagensiedlung immer nur auf Zeit leben - sind die Einwohner des mexikanischen Dorfes hier die „Fire Fighter“ für Brände und andere Notfälle. Das haben uns die Hosts vom Campground hier erzählt, Ray und Mary Ann Schaefer. Rays Ur-Ur-Großeltern kamen aus Bayern, hat er uns erzählt.


                                           
In der Abendstimmung auf dem Felsen hat uns vorgestern eine Frau angesprochen und gefragt, ob wir aus Deutschland seien. „Mein Name ist Brigitte Huber“, hat sie gesagt. Das war aber auch schon ihr einziger deutscher Satz. Ihre Eltern seien nach dem Krieg von Deutschland nach Kanada ausgewandert und sie sei in Toronto geboren.

                                             
der Campground von oben -  in der Mitte unser RV


Super Moon

Heute sind wir ganz offiziell über den Grenzübergang nach Mexiko eingereist und haben das Bergdorf  Boquillas Del Carmen besucht.



Wir sind durch den Rio Grande gewatet....



... dann haben uns zwei Esel ins Dorf getragen.


auf dem Rückweg wollte ich allerdings lieber zu Fuß gehen
Im Dorf haben wir lecker mexikanisch gegessen und die besten Margeritas getrunken.


Jose, der Wirt, hat uns erzählt, dass man hier im Dorf ganz sicher leben würde, da die nächste Stadt 260 Kilometer entfernt ist! Einmal in der Woche fährt er in die Stadt um zu tanken und Vorräte einzukaufen. Seine Mutter hat  das Essen für uns frisch zubereitet, in einer zum Restaurant hin offenen Küche und uns dabei freundlich zugelächelt.


Rechtzeitig mussten wir wieder zurück, da der Grenzübergang um 18 Uhr schließt.





Das elektronische Einwanderungssystem hat sich zunächst etwas gewundert, warum wir schon wieder - diesmal aus Mexiko - in die USA einreisen wollten. Nach einem Telefonat mit einem sehr netten Officer hat aber alles geklappt :-)




Mittwoch, 28. März 2018

Texas



Von San Antonio sind wir heute früh aufgebrochen und den ganzen Tag gemütlich auf der 90 West gefahren.


Unterwegs haben wir die endlos langen Züge auf ihrem Weg in den Westen beobachtet.



Diesen hier Richtung El Paso haben wir zweimal getroffen und der Zugführer hat für uns beim zweiten Mal laut gehupt und uns freundlich zugewunken.



Bei Del Rio waren wir an der mexikanischen Grenze und wurden kurz darauf tatsächlich von der Border Control, die hier sehr präsent ist, angehalten. Wir mussten aber lediglich unsere Ausweise zeigen und damit war es erledigt.



Danach wurde die Landschaft immer mehr so, wie es Hartmuts Vorstellungen von Texas entsprach. Habe ich schon erzählt, dass Hartmut sich seit 2001 wünscht, einmal quer durch Texas zu fahren? Damals hat er von Flugzeug aus fasziniert das Land unter uns betrachtet.

















Während stundenlanger Fahrt durch völlig unbesiedeltes Gebiet fühlen wir uns manchmal wie Pioniere, die Anfang des 19. Jahrhunderts aus Preußen und anderen deutschen Ländern bzw. europäischen Staaten nach „Tejas“, das damals noch zu Mexiko gehört hat, gekommen sind und sich hier unter schwersten Bedingungen angesiedelt haben.
Immer wieder gerieten sie zwischen die Fronten der mexikanischen Armee (Mexiko hat damals zum Spanischen Kolonialreich gehört) und Truppen der Vereinigten Staaten, die damals lediglich aus einem Landstreifen an der Atlantikküste bestanden und sich allmählich bis an den Mississippi ausgedehnt haben. Schließlich gründeten die Siedler ihren eigenen souveränen Staat, die Rebublik Texas, die von 1836 – 1845 bestand. Sam Houston, ein ehemaliger Gouverneur von Tennessee, war der erste Präsident. Er war für den Anschluss an die Vereinigten Staaten und die friedliche Koexistens mit den hier lebenden Indianern.
1845 wurde das Land von den USA annektiert, hierüber entbrannte der mexikanisch-amerikanische Krieg, der 1848 endete. 


So, genug Geschichte und Geschichten. Aber das alles hat Hartmut vorgestern auf den vielen Tafeln im „Alamo“-Museum gelesen und mir am Abend bei einem Glas Wein erzählt. Und es ist doch ziemlich spannend, wie ich meine.




Nachdem wir heute Nachmittag eine Regenfront passiert hatten, sind wir am Abend dann schließlich in Sanderson gelandet, einer Art Geisterstadt mitten im Nichts – aber mit einem abenteuerlichen RV-Park und beeindruckendem Abendlicht.





Montag, 26. März 2018

San Antonio

River Walk


Wir sind jetzt drei Tage in San Antonio im zentralen Süden von Texas und haben sommerliches Wetter bei 29 Grad Celsius. 
Durch die Umstellung auf Sommerzeit letztes Wochenende in Deutschland beträgt der Zeitunterschied jetzt sieben Stunden.



 Es ist so schön am River Walk – wir können gar nicht genug davon kriegen.







 Zwischendurch brauchen wir natürlich ab und zu auch eine kleine Erfischung;-)











Beim Besuch von „The Alamo“, einer spanische Missionsstation, die 1836 Schauplatz einer berüchtigten Schlacht im texanischen Unabhängigkeitskrieg gegen Mexiko wurde und heute ein sehr anschauliches und kurzweiliges Museum ist, wird einem deutlich, dass die Stadt auf ein traditionsreiches koloniales Erbe zurückblickt.













Ziemlich touristisch aber durchaus charmant ist der Historic Market Square:







Von dem herrlich am Salado Creek gelegenem KOA Campground können wir mit dem Bus direkt vom Eingangstor aus mitten in die Altstadt fahren.


Schon zum Frühstück können wir draußen sein, allerdings quälen uns am Abend Schwärme von Mosquitos, wenn wir bei einem Glas Wein vor dem RV sitzen - und wir wünschen uns unser Screen House herbei, in dem wir immer so entspannt und ungestört die warmen Abende genießen konnten.